Die Sammlung und Galerie S/Z in Uerikon/Zürich zeigt:


Bignia Corradini: „ZwischenRaum und Säule“

Vernissage: Samstag 25. Mai 2013, 17.00 – 20.00 Uhr.


Die Künstlerin ist anwesend.

Ausstellungsdauer: Sonntag 26. Mai – Sonntag 30. Juni 2013.


Lesung: Sonntag 26. Mai 2013, 17.00 Uhr, Galerie S/Z Uerikon/Zürich.

Reto Hänny
liest anlässlich der Ausstellung aus seinem Dinten-Projekt.
Die Künstlerin Bignia Corradini ist anwesend.

„...das klangverliebte Spiel mit den Buchstaben unseres Alphabets...“

Was der Autor Reto Hänny programmatisch über den dichterischen Text aussagt, ist der künstlerischen Bildtextur Bignia Corradinis durchaus verwandt. Bei der seit längerem in Berlin lebenden Zürcher Künstlerin, deren Werke in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten sind, ist das Experiment mit geometrischen Formen, Farbklängen und Klangfarben, Rhythmik und Gestik ein spielerisches Ausloten der Möglichkeiten der Malerei an sich. Mit dem Alphabet der Malerei wird eine Bildwirklichkeit „ZwischenRaum und Säule“ erdichtet. Eine Lesung Reto Hännys anlässlich der Ausstellung Bignia Corradinis in der Galerie S/Z in Uerikon/Zürich ist demnach nicht nur eine dichterische Erweiterung der Bilderfahrung des Besuchers, sondern in der tiefen Verwandtschaft der beiden künstlerischen Exponenten begründet.

Bereits in den frühen, noch gegenständlichen Werken Corradinis aus den 1970er Jahren – u.a. gestenreiche, mit Pfeil und Bogen bewehrte Frauenfiguren – kündet sich die Beschäftigung mit und die Vorliebe zu dem Medium der Malerei an. Nach und nach weicht die nicht zuletzt auch gesellschaftskritische Motivik einer expressiven Abstraktion und intensiven Farbigkeit. Mit dieser Zäsur wendet sich Corradini radikal von der neuen Figuration ihrer Generation ab. Im dynamischen Malakt lösen sich die Formen selbst auf, ja scheinen zu bersten. Gesteigert bis zur äussersten Dramatik ex- und implodiert das Bildgeschehen in heftiger Pinselgestik. Dynamik wird zum konstituierenden Element von Corradinis Schaffen ebenso wie das radikale Aufeinandertreffen von „Ungleichartigem“ (Corradini): Ein spannungsgeladenes, energetisiertes Konstrukt heterogener Bildelemente.

In der variierenden Kombination immer wieder neuer Texturen wie feinster Ornamentik oder metallen- schimmernder Strukturen scheint sich das ehemals dramatische Bildgeschehen zunehmend zu entspannen. Einem Diamant gleich etwa oszillieren die intensiven Farbfelder und – Formen, in der Bildform des Tondo gehalten, in feinster Spannung; pyramidenartige, von beinahe sanfter Energetik geladene Objekte ragen auf weissen Sockeln in den Raum; auf Spiegel platzierte Rundobjekte reflektieren die ornamentale Farbigkeit, erleuchten den Raum gleichsam von unten und irritieren das Raumgefüge wie den Betrachter; ein an der Wand hängender Spiegelkasten wirft die Bildtextur kaleidoskopartig in die Dimensionen des Raums und kreiert neue Raumwelten. Das Experiment und das Experimentieren mit dem Alphabet der Malerei, um quasi aussermalerische Mittel erweitert, wird zur spielerischen Auseinandersetzung mit Raum, ZwischenRaum und Raumgefüge. In der aktuellen Ausstellung wird gar eine bemalte Gusseisensäule im vollständig weissen Raum der Galerie S/Z zum irritierenden, die gesamte Ausstellung beherrschenden Moment „ZwischenRaum und Säule“.

Mit dem Eintritt in die Galerie betritt der Besucher die Bild- und Objektwelt Corradinis, erfährt an sich selbst den spielerischen Umgang mit Raum und Zwischenraum, erkundet, erforscht, entdeckt neue Welten. Der Galeriebesuch wird zum Abenteuer, oder – um mit Reto Hänny zu schliessen – :

„...immer wieder überraschend, was sich mit den paar wenigen Zeichen anstellen lässt, sobald das Abenteuer des Erzählens dem erzählten Abenteuer gleichwertig wird.“


Claudia Held, Kunsthistorikerin, im Mai 2013
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