Galerie Adrian Bleisch, Schlossgasse 4, CH - 9320 Arbon

Medienmitteilung

Bignia Corradini 26. April bis 24. Mai 2014

Vernissage am Samstag, 26. April 2014

In ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie Adrian Bleisch zeigt Bignia Corradini neben den Leinwandbildern eine noch nie gezeigte Werkgruppe mit 80 kleinen Papierarbeiten: "Das Übermalen der Musterbücher". Bereits 1988 dienten ihr Musterbücher mit islamischer Ornamentik dazu, die Linearstrukturen und deren mathematische Präzision, mit Farbnetzen durch Aquarell- und Gouachekomposition zu überdenken. In neueren Arbeiten überträgt die Künstlerin ausgewählte Ornamentalsysteme in freier Kombination auf die Leinwand indem sie diese quer zu- und gegeneinander setzt und die Neuformung übermalt. Es entstehen komplexe Farbnetze
durch vielfarbige, polymorphe Verflechtungen, die kaleidoskopartig Strukturen auf die Leinwand bannen, die sich zugleich wieder auflösen um sich neu zu formen.

Für das Schaffen der Künstlerin ist Veränderung als Bewegung kennzeichnend. Ihre abstrakten Arbeiten oszillieren zwischen gestischen Bildelementen und exakt geometrischen Setzungen. Die Dynamik der Bilder ist eher kreisend als gerichtet, wenn auch in den Brüchen und Sprüngen, klar und deutlich strukturiert. Energie wird gebündelt und zugleich freigesetzt.

Farbe zeigt sich kraftvoll und differenziert und wirkt in diesem Prozess grenzsetzend und formgebend zugleich. Kollidierend aus verschiedenen Richtungen werden komplexe, differente Bildebenen erzeugt.

Die Bilder von Bignia Corradini sind dichte Konzentrationen von Lichtnetzen. Ästhetisch lebendige und zugleich fragmentarisch, fragile Malerei im Spiel zwischen scharfen bewussten Setzungen und experimentellen Auslotungen, die jeweils das Risiko sprunghafter Veränderungen wähnen lassen. Auf stets komplex erzeugten Bildebenen begegnen sich Farbströme und setzen sich gegeneinander ab. Es zeigen sich scharfe Trennungen, diese lösen sich auf, bündeln sich kippend, auslaufend, überdeckend, sprunghaft und fließend. Bahnen, Ströme und Spuren werden zueinander ins Verhältnis gesetzt. Dabei finden Assoziationen Eingang in die Bildebenen, die zwischen den Dingen schwingen und zunächst nicht da zu sein scheinen. Bewusst impliziert die Künstlerin in diesem Prozess Aufteilung und Zerschneiden zugleich. Die Arbeiten von Bignia Corradini konkretisieren lustvoll Kippungen, loten Grenzen und Grenzüberschreitungen zu Veränderungen aus.

Was die Künstlerin in ihrer Arbeit treibt ist ästhetische Chaosforschung. Bignia Corradinis Bilder formulieren komplexe Ansichten. Sie versteht es in ihren Werken variable Ordnungen sichtbar zu machen. Die Künstlerin schafft mit ihren Lichtnetzen Bewegungsvielfalt und öffnet dadurch differente Lesarten. Gleichzeitig lässt sie uns durch das erzeugte Kraftfeld am spannungsreichen Umgang mit Unberechenbarkeit, Unsicherheit und Nichtwissen teilhaben.

Bignia Corradini bietet uns durch ihre Bildwelten einen überzeugenden Weg, ihr Spiel von Ordnungs-konstruktionen und -dekonstruktionen als Lebensgefühl geradezu spürbar zu machen. Verlockt sie uns doch durch dessen Lebendigkeit in die Bilderwelten hineinzuschauen; aber auch Nichtberechenbarkeit mit dem Risiko des Scheiterns, im Auge der Rezipienten selbst, vibrieren zu lassen.



Barbara anna Hubig, im April 2014
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